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Psychotherapie bei
nicht substanzgebundenen Süchten


Nicht jede Abhängigkeit ist an Alkohol, Medikamente oder Drogen gebunden. Auch bestimmte Verhaltensweisen können zunehmend das eigene Denken und Handeln bestimmen. Glücksspiel, Computerspiele, Internetnutzung, Kaufen oder andere wiederkehrende Verhaltensweisen können zeitweise Entspannung, Ablenkung oder ein Gefühl von Kontrolle und Befriedigung vermitteln.

Problematisch wird es, wenn das Verhalten immer mehr Raum einnimmt, sich nur noch schwer kontrollieren lässt und andere Lebensbereiche darunter leiden. Eine Psychotherapie bei nicht substanzgebundenen Süchten kann helfen zu verstehen, warum ein bestimmtes Verhalten eine so große Bedeutung entwickelt hat und welche seelischen Bedürfnisse damit verbunden sind.

Wenn ein Verhalten zunehmend das Leben bestimmt

Die Grenzen zwischen einer intensiven Beschäftigung, einer Gewohnheit und einem problematischen oder abhängigen Verhalten können fließend sein. Ein Warnsignal kann sein, wenn immer mehr Zeit mit dem jeweiligen Verhalten verbracht wird und Versuche, es einzuschränken, wiederholt scheitern.

Betroffene vernachlässigen möglicherweise Partnerschaft, Familie, Freundschaften oder berufliche Verpflichtungen. Gleichzeitig können Schuldgefühle und Scham entstehen. Häufig wird das tatsächliche Ausmaß des Verhaltens gegenüber anderen Menschen verborgen oder heruntergespielt.

Welche Funktion übernimmt das Suchtverhalten?

Aus psychoanalytischer Sicht ist nicht nur das sichtbare Verhalten von Bedeutung. Eine wichtige Frage lautet: Welche Funktion hat dieses Verhalten für den einzelnen Menschen übernommen?

Glücksspiel, Gaming, Kaufen oder eine intensive Internetnutzung können beispielsweise helfen, innere Leere, Einsamkeit, Ängste oder Anspannung vorübergehend nicht wahrnehmen zu müssen. Sie können Erfolgserlebnisse ermöglichen, das Selbstwertgefühl stabilisieren oder einen Rückzug aus belastenden Beziehungen und Lebenssituationen bieten.

In der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie können diese Zusammenhänge gemeinsam betrachtet und besser verstanden werden.

Kontrollverlust, Scham und sozialer Rückzug

Viele Betroffene wissen durchaus, dass ihnen ihr Verhalten zunehmend schadet. Dennoch gelingt es ihnen nicht, es dauerhaft zu verändern. Nach Phasen der Kontrolle kommt es möglicherweise erneut zu einem starken inneren Drang und zu Rückfällen in alte Verhaltensmuster.

Die daraus entstehenden Schuld- und Schamgefühle können wiederum dazu führen, sich zurückzuziehen und Probleme vor anderen zu verbergen. So kann ein Kreislauf entstehen, aus dem es ohne Unterstützung immer schwieriger wird, herauszufinden.

Psychotherapie bei Verhaltenssüchten

Eine Psychotherapie bei Verhaltenssucht beschäftigt sich deshalb nicht ausschließlich damit, ein problematisches Verhalten zu beenden oder einzuschränken. Ebenso wichtig ist die Frage, welche inneren Konflikte, Bedürfnisse und Gefühle damit reguliert werden.

Im therapeutischen Prozess können wiederkehrende Muster erkannt und alternative Möglichkeiten entwickelt werden, mit Anspannung, Ängsten, Einsamkeit, Selbstwertproblemen oder belastenden Lebenssituationen umzugehen.

Das Ziel besteht darin, die Kontrolle über das eigene Verhalten zurückzugewinnen und zu verstehen, warum es so wichtig geworden ist – damit wieder mehr Freiheit, Beziehungen und andere erfüllende Bereiche des Lebens ihren Platz finden können.