Zum Hauptinhalt springen

Psychotherapie bei
substanzgebundener Abhängigkeit


Eine substanzgebundene Abhängigkeit entwickelt sich häufig schleichend. Alkohol, Medikamente oder Drogen können zunächst Entspannung, Sicherheit oder Erleichterung vermitteln. Sie können helfen, Ängste und innere Anspannung vorübergehend zu reduzieren oder belastende Gefühle in den Hintergrund treten zu lassen. Was zunächst als hilfreich erlebt wird, kann jedoch zunehmend an Bedeutung gewinnen und schließlich zu einer Abhängigkeit führen.

Eine Suchterkrankung ist kein Zeichen mangelnder Willenskraft. Hinter einer Abhängigkeit stehen häufig komplexe psychische, persönliche und soziale Faktoren. Eine Psychotherapie bei substanzgebundener Abhängigkeit kann helfen, diese Zusammenhänge zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang mit Belastungen und inneren Konflikten zu entwickeln.

Wenn aus Konsum eine Abhängigkeit entsteht

Die Grenzen zwischen gelegentlichem Konsum, Gewohnheit, problematischem Konsum und Abhängigkeit sind oft fließend. Ein wichtiges Warnsignal kann sein, wenn eine Substanz zunehmend benötigt wird, um sich entspannen, schlafen, Ängste reduzieren oder schwierige Situationen bewältigen zu können.

Weitere Hinweise können Kontrollverlust, eine zunehmende Menge oder Häufigkeit des Konsums, erfolglose Versuche der Reduzierung oder Konflikte in Partnerschaft, Familie und Beruf sein. Häufig wird das Ausmaß des Konsums lange vor anderen – und manchmal auch vor sich selbst – verborgen.

Welche Funktion übernimmt die Substanz?

In der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie ist eine wichtige Frage, welche Funktion Alkohol, Medikamente oder Drogen im Leben eines Menschen übernommen haben.

Substanzen können beispielsweise dazu dienen, Ängste zu beruhigen, Einsamkeit erträglicher zu machen, innere Anspannung abzubauen oder schmerzhafte Erinnerungen und Gefühle vorübergehend nicht wahrnehmen zu müssen. Auch traumatische Erfahrungen, Beziehungskonflikte oder Schwierigkeiten mit dem eigenen Selbstwert können eine Rolle spielen.

Die Abhängigkeit wird dabei nicht isoliert betrachtet. Es geht darum zu verstehen, warum die Substanz für den einzelnen Menschen eine so große Bedeutung entwickeln konnte.

Abhängigkeit, Depressionen und Ängste

Substanzgebundene Abhängigkeitserkrankungen können gemeinsam mit anderen psychischen Belastungen auftreten. Depressionen, Ängste oder traumatische Erfahrungen können dem Konsum vorausgehen, ihn verstärken oder sich im Verlauf einer Abhängigkeit entwickeln.

Deshalb ist eine sorgfältige diagnostische Betrachtung wichtig. Je nach Substanz und Schwere der Abhängigkeit können neben der Psychotherapie auch ärztliche und suchtmedizinische Behandlungen notwendig sein. Ein körperlicher Entzug sollte bei entsprechenden Substanzen nicht ohne medizinische Begleitung erfolgen.

Psychotherapie bei Abhängigkeitserkrankungen

Scham und Schuldgefühle führen häufig dazu, dass Betroffene lange warten, bevor sie Unterstützung suchen. Ein therapeutisches Gespräch bietet die Möglichkeit, die eigene Situation ohne moralische Bewertung zu betrachten und die Hintergründe des Konsums besser zu verstehen.

Eine Psychotherapie bei substanzgebundener Abhängigkeit kann helfen, wiederkehrende Muster und innere Konflikte zu erkennen und andere Möglichkeiten im Umgang mit schwierigen Gefühlen und Lebenssituationen zu entwickeln.

Das Ziel besteht nicht allein darin, auf eine Substanz zu verzichten. Es geht auch darum, zu verstehen, welche Aufgabe sie bisher erfüllt hat – und Wege zu finden, diese Aufgabe nicht mehr der Substanz überlassen zu müssen.